Warum gute Mitarbeitende oft zuerst schweigen

– und warum Führungskräfte das früh erkennen sollten

Leistungsstarke Mitarbeitende sind oft verlässlich, engagiert und belastbar. Gerade deshalb übersehen Führungskräfte häufig, wenn diese Menschen an ihre Grenzen kommen. Warum das so ist und welche Warnsignale Sie kennen sollten, erfahren Sie in diesem Beitrag.

„Um die muss ich mir keine Sorgen machen.“ sagte mir einmal ein Projektleiter in einem Workshop. Genau diese Mitarbeiterin fiel wenige Monate später wegen Erschöpfung aus.

In meiner Arbeit mit Menschen erlebe ich immer wieder, dass gerade engagierte Mitarbeitende ihre Belastung lange für sich behalten. Manchmal, weil sie niemanden enttäuschen möchten, sich verantwortlich fühlen oder weil sie glauben, alles allein schaffen zu müssen.

Das sind meist die Mitarbeitenden, die zuverlässig arbeiten, Verantwortung übernehmen und selten klagen. Sie erledigen ihre Aufgaben, springen für andere ein und behalten auch in stressigen Zeiten den Überblick.

Aber auch für starke Menschen kann aus dauerhaftem Stress eine ernsthafte gesundheitliche Belastung werden. 

Achtsamkeitspause im Arbeitsalltag – Mini-Pause gegen Stress
Achtsamkeitspause im Arbeitsalltag – Mini-Pause gegen Stress

Viele Menschen mit einem hohen Verantwortungsbewusstsein möchten ihre Kolleginnen und Kollegen nicht zusätzlich belasten. Sätze wie:

  • „Die anderen haben auch genug zu tun.“
  • „Das schaffe ich schon.“
  • „Ich will nicht als belastet wirken.“
  • „Jetzt ist gerade nicht der richtige Zeitpunkt, um Hilfe zu bitten.“

kenne ich von nur zu gut. Hinzu kommt ein hoher eigener Anspruch. Wer gewohnt ist, zuverlässig zu sein, dem fällt es oft schwer, Grenzen zu setzen oder Unterstützung einzufordern.

Nach außen wirkt dabei lange Zeit alles normal. Aber innerlich wächst der Druck.

Nicht jede Überlastung zeigt sich durch Krankheit oder Fehlzeiten. Häufig verändert sich zunächst das Verhalten.

Achten Sie beispielsweise auf folgende Veränderungen:

  • Mitarbeitende ziehen sich mehr und mehr aus Smalltalks zurück.
  • Sie wirken ungewöhnlich erschöpft oder gereizt.
  • Die Eigeninitiative nimmt spürbar ab.
  • Fehler passieren häufiger als sonst.
  • Humor und Leichtigkeit gehen verloren.
  • Pausen werden ausgelassen oder Überstunden zur Normalität.

Keines dieser Anzeichen beweist einzeln bereits eine Überlastung.

Mehrere Veränderungen über einen längeren Zeitraum sollten Führungskräfte jedoch aufmerksam machen.

Achtsamkeitspause im Arbeitsalltag – Mini-Pause gegen Stress
Achtsamkeitspause im Arbeitsalltag – Mini-Pause gegen Stress

Viele Führungskräfte glauben, sie müssten sofort Lösungen anbieten.

Viel wichtiger ist zunächst etwas anderes:

Interesse zeigen.

Ein wertschätzendes Gespräch kann bereits viel bewirken.

Zum Beispiel:

„Mir ist aufgefallen, dass Sie in den letzten Wochen sehr viel leisten. Wie geht es Ihnen im Moment?“

Offene Fragen schaffen Raum.

Nicht jede Mitarbeiterin oder jeder Mitarbeiter wird sofort über Belastungen sprechen. Entscheidend ist jedoch das Signal:

„Ich sehe Sie.“

Wenn Menschen erst dann Unterstützung erhalten, wenn sie bereits ausgebrannt sind, wurde eine wichtige Chance verpasst.

Resilienzförderung bedeutet deshalb nicht, Mitarbeitende widerstandsfähiger gegen immer höhere Belastungen zu machen.

Vielmehr geht es darum, Arbeitsbedingungen, Kommunikation und Zusammenarbeit so zu gestalten, dass Belastungen früh erkannt und gemeinsam bewältigt werden können.

Gesunde Führung beginnt deshalb nicht erst im Krisengespräch, sondern schon im Alltag.

Achtsamkeitspause im Arbeitsalltag – Mini-Pause gegen Stress

Fazit

Die Mitarbeitenden, die am wenigsten Aufmerksamkeit auf sich ziehen, brauchen sie manchmal am dringendsten.

Wer als Führungskraft genau hinschaut, regelmäßig das Gespräch sucht und Veränderungen ernst nimmt, schafft eine Unternehmenskultur, in der Belastungen sichtbar werden.

Das stärkt nicht nur die Gesundheit der Mitarbeitenden, sondern auch die Motivation, die Zusammenarbeit und langfristig den Erfolg des Unternehmens.

Häufige Fragen

aus Unternehmen

Viele möchten ihre Kolleginnen und Kollegen entlasten, weiterhin als zuverlässig gelten oder haben den Anspruch, Probleme selbst zu lösen. Deshalb bleiben Belastungen häufig lange unsichtbar.

Veränderungen im Verhalten sind oft aussagekräftiger als einzelne Aussagen. Rückzug, Gereiztheit, nachlassende Eigeninitiative oder häufige Fehler können Hinweise auf eine hohe Belastung sein.

Resilienz bedeutet nicht, immer mehr leisten zu können. Ziel ist es, Belastungen früh zu erkennen, Ressourcen zu stärken und ein gesundes Arbeitsumfeld zu schaffen.

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