Erschöpft – aber wovon eigentlich?

Fünf Fragen, die Ihnen helfen, sich gezielter zu erholen

Nicht jede Erschöpfung braucht dieselbe Form der Erholung.
Manchmal hilft Schlaf, manchmal Bewegung, manchmal Ruhe
– und manchmal Aktivität.
Die erste Frage sollte daher lauten:
Wovon bin ich eigentlich erschöpft?

Vielleicht kennen Sie das: Sie haben geschlafen, hatten ein ruhiges Wochenende oder sogar einige Tage frei – und trotzdem fühlen Sie sich nicht wirklich erholt. Das kann unterschiedliche Ursachen haben.

Einen interessanten Ansatz dazu beschreibt die US-amerikanische Ärztin und Autorin Dr. Saundra Dalton-Smith in ihrem Buch „Sacred Rest“. Sie unterscheidet sieben Formen der Erholung: körperliche, mentale, emotionale, soziale, sensorische, kreative und spirituelle Erholung.

Für unseren Arbeitsalltag finde ich vor allem einen Gedanken daran besonders hilfreich: Nicht jede Erschöpfung braucht dieselbe Form der Erholung.

Bevor wir uns also fragen: „Wie kann ich mich erholen?“

lohnt sich zunächst eine andere Frage: „Was genau hat mich eigentlich erschöpft?“

Die folgenden fünf Fragen können dabei helfen, die eigenen Bedürfnisse genauer wahrzunehmen.

Achtsamkeitspause im Arbeitsalltag – Mini-Pause gegen Stress
Achtsamkeitspause im Arbeitsalltag – Mini-Pause gegen Stress

1. Ist mein Körper erschöpft?

Ein ganzer Tag im Sitzen am Schreibtisch kann körperlich genauso spürbar sein wie ein ganzer Tag auf den Beinen: der Nacken ist verspannt, die Beine sind schwer, der Kopf schmerzt, der Rücken macht sich bemerkbar.

Dann muss Erholung nicht unbedingt bedeuten, zwei Stunden auf dem Sofa zu liegen.

Vielleicht kann gerade Bewegung jetzt guttun:

  • ein Spaziergang
  • dehnen
  • frische Luft

Die entscheidende Frage lautet also: Was braucht mein Körper gerade? 

Hier sollten wir wieder häufiger hinspüren.

2. Ist mein Kopf einfach voll?

Manche Tage sind körperlich nicht besonders anstrengend. Und trotzdem sind wir am Abend vollkommen erledigt.

Zahlen prüfen, Entscheidungen treffen, Probleme lösen, Informationen verarbeiten, ständig zwischen verschiedenen Aufgaben wechseln.

Irgendwann ist der Kopf einfach voll. Dann ist es eher kontraproduktiv, ihn mit noch mehr Informationen zu beschäftigen.

Nachrichten, Social Media oder die Lieblingsserie fühlen sich zwar nach Abschalten an – das Gehirn verarbeitet dabei aber weiterhin neue Reize.

Mentale Erholung kann deshalb bedeuten: nichts aufnehmen zu müssen.

Stattdessen kurz spazieren gehen, eine einfache Tätigkeit erledigen, die eigenen Gedanken aufschreiben oder für einige Minuten tatsächlich gar nichts tun.

Achtsamkeitspause im Arbeitsalltag – Mini-Pause gegen Stress

Achtsamkeitspause im Arbeitsalltag – Mini-Pause gegen Stress

3. Bin ich von zu vielen Reizen erschöpft?

Der Unterschied zur mentalen Erschöpfung ist klein, aber wichtig.

Manchmal ist es einfach zu viel von allem. Bildschirme, Telefonate, Musik, Verkehr, Menschen. Das Handy klingelt, während auf dem Laptop bereits die nächste Nachricht aufpoppt.

Wer den ganzen Tag Reize verarbeitet, braucht vielleicht nicht noch mehr Unterhaltung, sondern weniger Input.

Das Handy mal weglegen, den Bildschirm ausschalten, die Augen für einen Moment schließen und die Stille einfach mal zulassen.

Gerade Natur kann hier guttun – als eine Umgebung, mit der wir seit jeher verbunden sind und in der wir für einen Moment wieder ein Human Being statt Human Doing sein dürfen.

4. Bin ich von Menschen erschöpft – oder brauche ich gerade Menschen?

Auch soziale Kontakte können Energie kosten.

Das gilt besonders für Menschen, die beruflich viel kommunizieren, beraten, führen oder präsentieren.

Nach einem solchen Arbeitstag kann Alleinsein wunderbar sein.

Aber manchmal ist genau das Gegenteil richtig.

Vielleicht war der Arbeitstag voller Kontakte – aber ohne ein einziges Gespräch, in dem wir einfach wir selbst sein konnten. Dann kann ein Abend mit einem vertrauten Menschen sehr viel erholsamer sein als Rückzug.

Deshalb lautet die Frage:

„Brauche ich gerade Menschen oder Ruhe?“

Achtsamkeitspause im Arbeitsalltag – Mini-Pause gegen Stress

Achtsamkeitspause im Arbeitsalltag – Mini-Pause gegen Stress

5. Bin ich emotional erschöpft?

Manche Arbeitstage sind nicht deshalb anstrengend, weil besonders viel zu tun war, sondern weil es eine schwierige Herausforderung gab.

Das muss noch nicht mal etwas Dramatisches oder Großes gewesen sein. Es reicht schon ein schwieriges Gespräch, ein kleiner Konflikt oder eine Entscheidung, die uns beschäftigt. Und häufig auch das Gefühl, den ganzen Tag professionell funktionieren zu müssen, obwohl es uns eigentlich ganz anders geht.

An solchen Tagen ist körperliches Ausruhen nicht genug.

Emotionale Erholung kann bedeuten, mit jemandem zu sprechen, Gedanken aufzuschreiben oder sich bewusst Zeit zu nehmen, um das Erlebte zu reflektieren. Denn oft gibt es bei solchen Herausforderungen nicht sofort die Lösung. Was viel dringender benötigt wird, ist Zeit für die eigenen Gedanken und Gefühle.

Und manchmal brauchen wir etwas ganz anderes

Natürlich lässt sich Erschöpfung nicht sauber in fünf Schubladen sortieren.

Manchmal fehlt uns vielleicht Inspiration, manchmal Sinn. An anderen Tagen Kreativität, Musik, Natur oder einfach etwas, das uns wieder neugierig macht.

Und häufig kommen mehrere Formen von Erschöpfung gleichzeitig zusammen.

Deshalb finde ich die Frage „Wovon bin ich erschöpft?“ so hilfreich. Denn sie verhindert, dass wir Erholung nach einem Standardrezept behandeln.

Achtsamkeitspause im Arbeitsalltag – Mini-Pause gegen Stress

Achtsamkeitspause im Arbeitsalltag – Mini-Pause gegen Stress

Resilienz bedeutet auch, die eigenen Ressourcen zu kennen

Widerstandsfähig zu sein bedeutet nicht etwa, erst dann zu reagieren, wenn gar nichts mehr geht.

Sondern wahrzunehmen:

Was kostet mich gerade Kraft? 

Und sich dann bewusst zu werden:

Was kann mir jetzt wieder Kraft geben? 

Die Antwort darauf kann heute eine Stunde Ruhe sein, morgen ein Spaziergang, übermorgen ein gutes Gespräch. Und an einem anderen Tag vielleicht Musik, Sport oder ein Abend ganz ohne Menschen.

Erholung muss nicht immer gleich aussehen, sondern zu dem passen, was uns jetzt gerade fehlt.

Die hilfreichste Frage lautet:

„Wovon bin ich erschöpft?“ 

Denn um uns wirklich zu erholen, brauchen wir die richtige Art von Pause. Wer genauer hinschaut, kann bewusster entscheiden, welche Form von Erholung gerade wirklich guttut.

Achtsamkeitspause im Arbeitsalltag – Mini-Pause gegen Stress

Häufige Fragen

aus Unternehmen

Häufig gestellte Fragen zu Seminaren und Workshops

Erschöpfung kann unterschiedliche Ursachen haben. Neben Schlafmangel können beispielsweise mentale Belastung, emotionale Anspannung, Reizüberflutung oder anhaltender Stress eine Rolle spielen. Deshalb führt mehr Schlaf nicht automatisch zu mehr Erholung.

Hilfreich ist zunächst die Frage, was Sie besonders beansprucht hat. Nach langer Konzentration kann mentale Ruhe guttun, nach vielen sozialen Kontakten möglicherweise Rückzug und nach langem Sitzen Bewegung. Erholung sollte zur jeweiligen Belastung passen.

Ein bewusster Umgang mit den eigenen Ressourcen gehört zu resilientem Verhalten. Wer früh wahrnimmt, was Kraft kostet und welche Form der Regeneration hilft, kann Belastungen im Alltag bewusster ausgleichen.

Hält starke Erschöpfung über längere Zeit an, beeinträchtigt sie den Alltag deutlich oder treten weitere körperliche oder psychische Beschwerden auf, sollte die Ursache professionell beziehungsweise medizinisch abgeklärt werden. Erschöpfung kann viele Ursachen haben und sollte nicht in jedem Fall auf Stress zurückgeführt werden.

Häufig gestellte Fragen zu Seminaren und Workshops

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